Bericht

Mit vielen Eindrücken und neuen Erfahrungen kommen wir aus Madagaskar zurück. Über vier Wochen reisten wir durch das Land mit dem Ziel Menschen, die keinen Zugang zur zahnmedizinischen Versorgung haben, diesen zu ermöglichen. Darüber möchte ich im Folgenden berichten.

Bereits im Sommer 2016 begann sich eine Gruppe von Studenten zu formen, welche gemeinsam mit dem Verein Planet Action e.V., einen zahnmedizinischen Hilfseinsatz in Madagaskar plante.

Nach einigen Änderungen stand das Team Anfang 2017 fest. Hierzu gehören die Studenten Nadine Kaiser, Brigitte Schibowski, Luisa Korf, Anne Vizend , Elena Suberg, Marek Trost sowie die Zahnärzte Dr. Moritz Merwart und Dr. Olaf Ekert, Julia Walter, Freya Vorwerk, Margret Pfister und ihr, uns als helfende Hand mitreisender Freund Robert Böckem. Bei der ersten Jahreshauptversammlung des jungen Vereins Planet Action trafen wir uns zum ersten Mal alle persönlich.

Direkt im Anschluss begannen auch schon die konkreten Vorbereitungen. Die größte Arbeit bestand darin Geld- und Materialspenden zu sammeln und in diesem Zusammenhang auf unser Projekt aufmerksam zu machen. Aber auch Einsatzablauf und die Organisation vor Ort mussten abgeklärt werden. Etwa einen Monat vor Beginn der Reise bekamen wir nochmals spontan weitere Unterstützung durch die zwei Zahnärztinnen Freya Vorwerk und Julia Walter.

Am 11.8. starteten wir, vollgepackt mit Materialien in Richtung Madagaskar um nach circa 19 Stunden unser Ziel zu erreichen. Wir wurden von Luisa und Anne, welche bereits einen Tag vorher angereist waren und drei Mitarbeitern von Soltec in Empfang genommen. „Soltec“ ist eine Ausbildungsstätte des Deutsch-Madagassischen Vereins Esslingen e. V., die benachteiligten Jugendlichen aus armen Verhältnissen hier Ausbildungsplätze, Essen und Zugang zu Sanitäranlagen bietet. Die Einrichtung liegt in Ivato, einem Stadtteil der Hauptstadt Antananarivo. Die Jugendlichen werden in Holz-, Metall- und Kfz-Werkstätten, einer Weberei und Schneiderei, als auch im Sanitär und Gastronomiebereich ausgebildet. Ein sehr nachhaltiges und beeindruckendes Projekt ist hier entstanden. Hier sollten wir für die kommenden zwei Wochen arbeiten. Da wir jedoch außerhalb der Schulzeit anreisten, waren nicht die Schüler selbst, sondern die Bevölkerung des umliegenden Stadtteils unsere Patienten.

Den Sonntag verbrachten wir zum einen damit unseren Behandlungsraum einzurichten, zum anderen wurden wir durch die ansässige Kirchengemeinde mit einem gemeinsamen Gottesdienst und anschließendem Essen herzlich begrüßt. An gutem Essen sollte es uns den restlichen Aufenthalt nicht mehr fehlen, da der ausbildende Koch sich unserer Verpflegung annahm und immer wieder mit köstlichen Gerichten überraschte.

Am Montag starteten unsere Behandlungen. Den gesamten Einsatz gingen wir dabei so vor, die Patienten vor der Behandlung selbst über die Dringlichkeit von Mundhygiene und Ernährung aufzuklären, als auch mit den von uns verteilten Zahnbürsten und Zahnpasten die Theorie direkt in die Praxis umzusetzen. Tatkräftig unterstützt wurden wir hierbei von den zwei Mitarbeitern Clara und Cidar, die nicht nur für uns übersetzten und aufklärten sondern sich über den gesamten Aufenthalt sehr gut um uns kümmerten. Bereits die ersten Patienten zeigten auf, wie wichtig diese Aufklärung ist. Viele Patienten brauchten eine komplette Sanierung und in den ersten beiden Wochen gab es lediglich einen Patienten der keiner Behandlung bedurfte. Erschreckend war zudem der leider oft sehr schlimme Zahnzustand bei Kindern. An den ersten beiden Tagen konnten wir diese Komplettsanierungen noch so gut es ging erfüllen, doch bereits am Mittwoch hatte sich unsere Ankunft herumgesprochen und es kamen mehr und mehr Menschen, sodass täglich über 50 Patienten auf uns warteten. Mit zunehmender Patientenzahl mussten wir die Behandlungen auf das akute Schmerzgebiet beschränken.

Am Ende der ersten Woche erhielten wir mit Julia weitere Unterstützung und eröffneten im Büro des Direktors ein weiteres Behandlungszimmer.

Insgesamt bemühten wir uns, so viele Zähne wie möglich zu erhalten. Auch dank einer durch zahlreiche Spenden finanzierten mobilen Behandlungseinheit, die das Legen von Kunststofffüllungen ermöglichte, konnten wir hier nachhaltige Arbeit leisten. Nichtsdestotrotz musste oft zu Zange und Hebel gegriffen werden. Gerade im Frontzahnbereich und vor allem bei Kindern tut es einem um jeden Zahn leid. Öfter beratschlagten wir uns und suchten nach Lösungen, doch die starke Zerstörung der Zähne ließen häufig keine andere Alternative zu. Einige Fälle ließen uns nicht los und oft wurde abends nach dem Essen noch lange über die Eindrücke des Behandlungstages gesprochen.

Nach zwei Wochen und viel Arbeit packten wir unsere Sachen um uns auf den Weg zu unserem nächsten Einsatzort zu machen. Freya, Julia und Moritz verabschiedeten wir in Richtung Heimat, um kurz darauf Olaf, Elena, Robert und Margret in unserem Team begrüßen zu dürfen und gemeinsam Richtung Süden nach Fort Dauphin, unserem zweiten Behandlungsort, zu reisen. Fort Dauphin ist eine Küstenstadt im Süden des Landes. Die üppige Vegetation unterscheidet sich stark vom lehmigen Rot „Tanas“ und bot uns eine willkommene Abwechslung zur rummeligen Hauptstadt.

 Unser Plan wurde jedoch durch technische Probleme während des Fluges durchkreuzt. Nach vielen Stunden am Flughafen und einer weiteren Nacht in Tana landeten wir mit einem Tag Verspätung sicher in Fort Dauphin. Die vor Ort ansässige Maria Damer und ihr Mann Norbert, welche seit fast 15 Jahren Entwicklungshilfe vor Ort leisten, nahmen uns in Empfang.

In Fort Dauphin behandelten wir in einem Klassenzimmer der Schule L´école St. Marie de Marillac und übernachteten bei den dort ansässigen Nonnen. Auf dem Gelände ist eine Krankenstation angeschlossen, welche bedürftigen Menschen eine medizinische Grundversorgung bietet. Lange Schlangen vor dieser Einrichtung, als auch vor unserem Behandlungsraum zeigten den massiven Bedarf. Die Nonnen widmen sich voller Hingabe den bedürftigen Menschen und auch wir wurden während unseres Aufenthaltes liebevoll bekocht und umsorgt. Während den kommenden zwei Wochen behandelten wir sowohl die Schüler, als auch die dort lebende Bevölkerung. Zwar waren häufig massive Schäden festzustellen, was uns jedoch sehr positiv auffiel war, dass gerade die Schüler gute Zähne hatten. Zurückzuführen ist dieser Umstand wohl darauf, dass die Kinder gemeinsam mit freiwilligen Betreuern und Lehrern der Organisation Misevi Polska aus Polen morgens und abends ihre Zähne putzen. Diese kümmern sich mit voller Hingabe um die Kleinen und verbringen oft seit mehreren Jahren ihre gesamten Semesterferien dort.

In Fort Dauphin kamen wir auch dazu etwas Freizeit zu genießen und verbrachten einen Tag an dem direkt im Ort liegenden Strand Libanona Beach als auch im nahe gelegenen Nationalpark, der mit wunderschöner Flora und zahlreichen Lemuren begeistern konnte.

Nach vier Wochen Einsatz in einem Land, dass wahrscheinlich noch für längere Zeit die Unterstützung von außen benötigt, beendeten wir unseren Einsatz. Wir hoffen einen Teil zum Fortschritt beigetragen und einigen Menschen auch längerfristig geholfen zu haben.

Wir hatten viele schöne Momente an die wir uns gerne zurück erinnern, sahen aber auch wie massiv der Bedarf vor Ort ist. Wir erlebten eine neue Kultur und durchlebten Höhen und Tiefen. „Mora Mora“ (gemach, gemach), hieß es oft und übte uns in Geduld. Eine Lebenseinstellung, die einen sowohl zur Weißglut treiben, als auch unter anderen Umständen beruhigend wirken kann. Im Anschluss verbrachten wir noch einige Tage auf der an der Ostküste gelegenen Insel St. Marie, die uns bei tollem Wetter und grandioser Natur etwas Entspannung und Kraft zurückgab.

Wir danken allen Spendern und Unterstützern die uns diesen großartigen Einsatz ermöglichten, als auch den Menschen denen wir begegnet sind und unseren Aufenthalt unvergesslich machten.